April 2, 2009

Der letzte Beitrag

Dies ist der letzte Beitrag in diesem Blog. Heute ist ein Reisebericht von mir bei Spiegel Online veröffentlicht worden. Ich danke für die vielen Kommentare und Klicks in meinem Blog und wünsche viel Spaß beim Lesen:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,614053,00.html

Herr Gehling

P.s.: Ich bin kein Wirschaftsinformatiker sondern schnöder BWLer.

Januar 25, 2009

Resümee

Vier Monate in Indien, vier Monate mit unglaublichen Eindrücken, vier Monaten, die wie im Flug vergingen, vier Monate, die wahrscheinlich die spannendsten und interessantesten meines Lebens waren. Mit welchen Erwartungen bin ich nach Indien gegangen? Was habe ich mir versprochen, was konnte Indien halten, welche Vorurteile haben sich bestätigt, was ist ganz anders gekommen? In meinem ersten Blogeintrag im August habe ich von dem Satz geschrieben, der da lautet: „Entweder man liebt Indien oder man hasst Indien“. Dieser Spruch ist wahr. Ich habe aber fast nur Menschen getroffen, die meine Liebe zu Indien teilen. Doch ich habe gelernt, dass die richtige Einstellung von Nöten ist. Wer nach Indien geht und europäische Verhältnisse oder Bollywood erwartet, wird sich nicht wohl fühlen. Die meisten anderen werden Indien lieben, wenn sie keine Hygeneneurose haben. „Inder fassen Dich immer an und sind nie pünktlich!“ Die Pünklichkeit haben die Inder nun wirklich nicht erpfunden, aber die südeuropäischen Kommilitonen waren in diesem Punkt auch nicht viel besser. Angefasst wurde ich auch, aber meistens aus Versehen, weil es durch so viele Menschen einfach oft eng wird oder von Bettlern, eine eher unangenehme Erfahrung. Ich habe sehr viel Armut in Indien erwartet und habe vergleichsweise wenig davon gesehen. Das hat wohl zwei Gründe: Zum einen weiß man in Indien Armut sehr gut zu verstecken und zum anderen habe ich auf der Sonnenseite des Lebens gewohnt. Unser Campus war eine Oase weit weg von der harten Straßen-Realität und auf Reisen waren wir auch eher in touristischen Gegenden. Schwierige Situationen gab es mit den Bettlern. Besonders wenn kleine Kinder oder Behinderte vor einem stehen ist es nicht einfach „Nein“ zu sagen. Doch wer Geld gibt verschlimmert die Situation nur, denn dann werden noch mehr Kinder zum Betteln missbraucht und noch mehr arme Menschen verstümmelt, damit sie beim Betteln den Behindertenbonus haben. Ich habe fast nie Geld gegeben sondern nur Nahrungsmittel. Doch nur zu oft waren die Beschenkten damit nicht sehr glücklich. Sie wollten Geld, damit sie es an irgendwelche Bosse abgeben konnten. Natürlich habe ich mir auch vorher über das Kastensystem Gedanken gemacht. In Indien angekommen merkte ich bald, dass es zunächst wenig davon zu sehen ist, doch sobald man näher hinguckt, sieht man die ständige Diskriminierung. Auf dem Campus werden die einfachen Arbeiter aus niedrigen Kasten ohne Respekt behandelt. Sowohl von Vorgesetzten als auch von unseren indischen Kommilitonen. Doch die Diskriminierung beschränkt sich nicht nur auf das Kastensystem. In Indien werden Menschen mit dunkler Hautfarbe diskriminiert – helle Haut ist ein Schönheitsideal. Auch Frauen erfahren oft unrecht. Selbst Touristen werden diskriminiert, wenn sie 300fache Eintrittsgelder zahlen müssen. Ich habe in Indien einige negative Seiten gesehen, aber die ständige Diskriminierung ist die mit Abstand unangenehmste Gegebenheit. Doch in meiner Generation ist ein Umdenken zu erkennen, die Orientierung an Amerika und Europa dürfte hierbei helfen. Insgesamt überwiegen jedoch die positiven Eindrücke. Die vielen wunderbaren Gerüche, Geschmäcker und Aussichten. Menschen, die einen mit offenen Armen und einer unstillbaren Neugier empfingen. Eine Tierwelt, die einen in den Bann schlägt. Ein Land, das in keiner Weise homogen ist. Alle 100 Kilometer ist Indien anders, neu und Atemberaubend. Ich habe viel gesehen, doch bietet dieses Land noch so viele andere Gegenden und Sehenswürdigkeiten, dass es nie langweilig werden würde. Ich kann jedem der die Möglichkeit hat eine Zeit in Indien zu studieren oder zu arbeiten nur dazu raten. Es lohnt sich!

Dezember 31, 2008

Abschiedstournee

Am 30. November machte ich mich mit Yoann und Jonathan aus Frankreich auf nach Dehli um meinen Indienaufenthalt mit einer drei wöchigen Reise zu beschließen. Da man in drei Wochen natürlich sehr viel erlebt will ich mich hier auf die wichtigsten Ereignisse und einige Beobachtungen beschränken.

Dehli

Dehli ist nichts für schwache Gemüter. Nach unserer Ankunft sahen wir auf dem Weg zum Frühstück eine Leiche auf der Straße liegen. Sie war nur notdürftig mit einem Stück Stoff zugedeckt. Uns wurde erklärt, dass der Mann einer Schlägerei am Abend zuvor zum Opfer gefallen war. Die Leiche zu beseitigen oder Ermittlungen auf zu nehmen fiel keinem ein. Am selben Abend habe ich auch eine brutale Schlägerei gesehen, bei der einer der Kontrahenten mit einem fahrenden Bus kollidierte und am nächsten Tag wurden mir meine Schuhe in der größten Moschee des Landes geklaut. Auch die Armut ist in Dehli im Gegensatz zu Bangalore all gegenwärtig. Man sieht ganze Familien die Ihr Leben auf Verkehrsinseln verbringen und die Anzahl der Bettler ist sehr hoch. Ich erwähne diese Schattenseite, da ich Indien ansonsten als ein sehr sicheres Land kennen gelernt habe. Die Hindus haben sich dem friedfertigen Leben verschrieben und so sind viele sogar Vegetarier und mir ist außer meinen Schuhen bei 90 Austauschstudenten nur ein weiterer Fall von Diebstahl bekannt.

Wir haben in unseren drei Tagen in Dehli verschiedene Sehenswürdigkeiten angeguckt, jedoch am meisten hat mich die Altstadt von Dehli beeindruckt. Das ist wohl der verrückteste Ort den ich je gesehen habe. Die Hauptstraßen sind übervoll mit Fahrradrikschaws, Kühen, Trägern, Fußgängern. Es wird gehupt, geflucht und gedrängelt, oft geht es keinen Schritt mehr weiter. Doch sobald man abbiegt, befindet man sich in einem Gewirr aus kleinen, lebendigen, aber erstaunlich ruhigen Gassen in denen man sortiert nach Produkten alles, aber auch wirklich alles kaufen kann, nach dem der Inder verlangt.

Eine halbe Woche nach den Attacken von Mumbai befand sich Indien auch in Deutschland sehr im Fokus und so wurde ich live vom Moderator von Eins Live dem Jugendradio des WDRs interviewt. Eine lustige Geschichte, da dass Interview aber um 6.40 Uhr deutscher Zeit statt fand, bezweifel ich, dass es all zu viele gehört haben.

Agra

Am 2. Dezember fuhren wir abends mit der Bahn nach Agra. Der Wecker klingelte am nächsten morgen um halb sechs, wir wollten die ersten am Taj Mahal sein. In den Tagen zuvor war es sehr nebelig, was die Wirkung völlig zerstört. Doch wir sollten Glück haben, die Sonne ging an einem wolkenlosen Tag auf. Ich war eigentlich nur zum Taj Mahal gekommen, weil es günstig auf dem Weg lag. Doch was sich dann zu sehen bekam verschlug mir den Atem. Ich habe noch nie ein so schönes Gebäude gesehen. In zwei Stunden habe ich 120 Fotos geschossen. Der Taj Mahal wurde vom Großmogul Shah Jahan in Gedenken an seine verstorbene Hauptfrau Mumtaz Mahal gebaut. Die wahrscheinlich schönste Liebeserklärung der Welt.

Keoladeo Nationalpark

Ganz in der Nähe von Agra liegt der Keoladeo Nationalpark. Im Winter ein Brutplatz für tausende Vögel. Was zunächst langweilig klingt wurde ein wunderschöner Tag. Mit dem Drahtesel haben wir das Gebiet erforscht und sahen riesige Kolonie von Buntstörchen, kleine Eisvögel mit herrlichem Federkleid, Wildschweine, Affen, Adler und noch viele schöne und seltsame Vögel. Wir blieben bis zum Tagesende und sahen einem Hirschpaar im Sonnenuntergang weiden…ah, wie kitschig.

Jaipur

Am 4. Dezember zog es uns nach Rajhastan, die erste Station war Jaipur. Das Backpackerleben in Indien bietet unheimlich viel Abwechslung und ist absolut empfehlenswert, aber es ist auch kein Wellnessurlaub. Die schwierigen Seiten haben uns durch ihre geballte Form den Aufenthalt in Jaipur vermiest. Der Bus, der uns in die wegen der farbigen Häuser so genannte Rosa-Stadt bringen sollte, war heiß und zu spät. Am Busbahnhof angekommen wurden wir natürlich gleich von einer Horde Rikshaw-Fahrern umringt – jeder von Ihnen ist stürzt sich auf das vermeintlich frische Touristenfleisch. Wer ahnungslose Weiße zum „richtigen“ Hotel fährt bekommt eine saftige Provision, die dem Gast natürlich auf den Hotelpreis aufgeschlagen wird. Zusätzlich kann man ja auch noch versuchen, den zwei bis dreifachen Preis zu erzielen. Wir haben uns dann für ein Prepaid-Rikshaw entschieden, welches uns zu einem Hotel unserer Wahl brachte, welches wundersamer Weise, trotz mehrfacher Beteuerung, doch nicht geschlossen hatte. Doch hier ging die Diskussion mit dem Fahrer natürlich gleich weiter: „Where you go now?“ „150 Rupies to the waterpalace – cheep price!“. Das Zimmer welches wir bezogen, hatte keine warme Dusche und die Glastür am Eingang vermittelte nicht unbedingt das Gefühl von Sicherheit, der Preis jedoch war für den Standard gesalzen. So machten wir uns bald zu Fuß zum nächst gelegenen Restaurant auf. Zum ersten Mal versagte meine Reise-Bibel, der Lonleyplanet, die Karte war falsch. So machten wir uns in die Innenstadt auf, verfolgt von einem hartnäckigen Fahrradrikshawfahrer, der so aufdringlich war, dass mir fast der Kragen geplatzt ist. Ohne auch nur ein Wort Englisch zu sprechen, mischte er sich in ständig in unser Gespräch ein und fasste uns ständig an, sein Atem stank nach billigem Alkohol. Nach einiger Zeit erreichten wir dann endlich ein Restaurant, welches mittelmäßige Qualität zu hohen Preisen lieferte. Um vier Uhr nachmittags begannen wir dann mit der Besichtigung, andauernd belagert von Bettlern und Geschäftsleuten, die mit allen Mitteln versuchten uns in ihr Geschäft zu locken.

Der wunderschöne Citypalast, ein großes Observatorium und ein gewaltiges Fort gingen so völlig unter und spätestens als wir am nächsten Tag 90 Minuten auf unseren Frühstückstoast und unsere Omelettes warteten, wollten wir die Stadt unbedingt verlassen. Doch natürlich sollte auch die Abfahrt aus Jaipur kein Spaß werden. Mit einer Stunde Verspätung verließ unser Nachtzug den Bahnhof und kam nach ätzenden 14 Stunden später in Jaisalmer an. Ab acht Uhr morgens merkten wir, dass wir in der Wüste waren – ein feiner Sandstaub legte sich über unsere Rucksäcke.

Jaisalmer

Jaisalmer ist für indische Verhältnisse eine wunderschöne, ruhige aus gelbem Sandstein erbaute Stadt und so beschlossen wir drei Tage Station zu machen. Nur wenn ein Krieg zwischen Pakistan und Indien ausgebrochen wäre, hätte wir wenige Kilometer vor der pakistanischen Grenze eine zu gute Aussicht gehabt.

Das besondere an meiner Reise durch Indien, waren die vielen Leute die ich kannte. In den drei Wochen habe ich über 30 Studenten getroffen, in jeder Stadt jemand anderen. In Jaisalmer waren besonders viele zur gleichen Zeit. Karoline aus Norwegen schloss sich für eine Woche unserer Jungstruppe an.

Am zweiten Tag starteten wir mit acht Leuten eine Kamelsafari. Ein Jeep brachte uns in die Wüste und dann bestieg jeder sein Kamel. Ich bekam ein Rennkamel zu gewiesen, was dazu führte, dass wir beide immer von einem Kameltreiber unter Kontrolle gehalten wurden. Mein Kamel und mich verband die Abneigung unserem Treiber gegenüber, der uns die Freiheit eines ungestümen Kamelgalopps durch die Wüste verwährte. Die Reise auf einem Wüstenschiff ist eine wirklich lustige Sache, doch spätestens am zweiten Tag wünscht man sich alles andere als einen weiteren, schmerzhaften Meter zu reiten.

Die folgende Nacht auf einer Sanddüne, war meine erste unter freiem Himmel und sie sollte einige Überraschungen bereithalten. Nachdem die Gesänge der Kameltreiber verklungen und das Lagerfeuer erloschen war, legten wir uns in unsere Feldstatt. Um ein Uhr nachts wachte ich auf und direkt neben meinem Kopf graste ein aus der Froschperspektive riesig wirkendes Kamel; wie man so laut schmatzen kann. Ein weiteres Mal wachte ich um fünf Uhr auf – der Mond war untergegangen und der Sternenhimmel war Atemberaubend. Ich habe nie zuvor annähernd so viele Sterne gesehen.

Johdpur

Am Mittwoch den 10. September machten wir uns dann abends nach Johdpur aus und besichtigten wir ein wunderschönes Fort und einen belebten, aber sehr idyllischen Markt. Das Fort wartete mit einer spannenden Audio-Führung auf und wir tauchten in die Welt der Maharadschas ein. Beispielsweise konnte man die Abdrücke der kleinen Hände der Frauen sehen, die sich kurze Zeit später mit Ihrem Mann dem verstorbenen Maharadscha verbrannten. Rajasthan ist das Land der Könige und jeder hatte sein eigenes großes Fort und Macht im begrenzten Bereich. Über die Grenzen hinaus konnte die Herrschaft nie ausgedehnt werden, da die Unstimmigkeiten untereinander eine längere Zusammenarbeit verhinderten.

Udaipur

Die nächste Station war Udaipur. Diese nächste Königsstadt kann mit einem großen Stadtpalast und zwei Palästen im See aufwarten. Die Kulisse ist so gewaltig, dass der James Bond Film Octupussy hier zum Großteil gedreht wurde. Es ist wirklich lustig sich erst alles anzuschauen und dann im Video wieder zu erkennen. Auch hier gibt es immer noch einen Maharadscha und einer seiner Familie war kurz zuvor gestorben und so sahen wir die Verbrennung der Leiche, die drei Tage schmoren musste und dann nach Varanasi, die heiligste Stadt der Inder verschifft wurde.

Ahmedabad

So langsam löste sich unsere Gruppe auf. Karoline flog von Udaipur nach Goa. Jonathan, Yoann und ich fuhren mit dem Nachtzug nach Ahmedabad. Hier wollte Jonathan einen Schlafzug nach Mumbai nehmen. Dieser fiel aus und so nahm er einen von den normalen Zügen. Hier war alles „all inclusive“: Rennen zum Zug, rein springen und dann mit vollem Körperkontakt neun Stunden Zugfahrt.

Für Yoann und mich sollte Ahmedabad eigentlich nur ein Zwischenstation für unseren Flieger nach Goa am Abend werden, doch es wurde einer der Höhepunkte unser Reise. Zunächst waren wir völlig erstaunt, dass der Rikshawfahrer morgens um fünf den korrekten Preis von 30 Rupien nannte. In jeder anderen Stadt würden Rikshawfahrer eher 300 Rupien verlangen, als 30, doch in Ahmedabad sind die Menschen ehrlich. Nach ein wenig Schlaf in einem schrecklichen Hotel, schlossen wir uns einer Stadtführung durch die Altstadt an. Anstatt Lärm und Krach erlebten wir eine fantastische Morgenstimmung; anstatt dem Versuch ständig Etwas an uns zu verkaufen, wurden wir nur freundlich gegrüßt; anstatt eines Wohnbaulichem Chaos, fanden wir kleine Dörfer in der 4,5 Millionen-Stadt. Ich konnte mich nicht satt sehen und habe unzählige wunderschöne Fotos von Menschen geschossen, die aus dem Fenster gucken.

Goa

„Ich bin nicht nach Indien gekommen, um mir Strände anzuschauen“ war mir in den Monaten immer wieder über die Lippen gekommen. Dies ist zwar richtig, aber für meine letzte Woche in Indien hätte es keinen besseren Ort geben können. Ich habe noch nie so schöne Strände gesehen und einfach nur die Seele baumeln zu lassen war großartig.

Die erste halbe Woche verbrachte ich mit Yoann und vier französischen Mädels in Arambol im Norden von Goa. Das Klischee von Hippies und Drogen, welches bei vielen wohl im Kopf ist, wird hier definitiv übertroffen. Blumenkinder gehören genauso zum Strandbild, wie Hunde und Kühe. Am Strand wurden uns Jungs sehr häufig Drogen angeboten, selbst von Taxifahrern und einfachen Kioskbesitzern. Sowohl von Dealern, als auch von den Mädels, die sich oftmals nicht in die gefährlichen Gewässer der englischen Sprache trauten, stören lassen und fühlte mich wie im Paradies. Das Essen war gut, das Meer warm und der Strand ein Traum. Ein Paraglidingflug mussten mein Lehrer und ich mangels Wind leider kurz vor dem Start abrechen, jedoch konnte ich mit Delphinen, die sich nicht weit vom Strand tummelten, schwimmen.

Am ersten Tag hatte ich noch ein Telefoninterview mit einem Sportwagenhersteller. Da in unserem Hotelzimmer kein Handyempfang hatte, setzte ich mich für das Gespräch unter Palmen an den Strand.

Meine Franzosen reisten nach drei Tagen ab und so begab ich mich in den Süden zu einer mehrheitlich deutsch-französischen Gruppe. Auf dem Weg nutze ich die günstigen, indischen Preise und fuhr Jetski und ließ mich mit dem Gleitschirm an ein Boot binden, dass so genannte Parasailing.

In Palolem stand Party, Sonnenbaden und Rollerfahren auf dem Programm. Das Rollerfahren mit sieben anderen Rollern und einer hübschen Französin auf dem Sozius ist eine angenehme Freitzeitbeschäftigung.

Rückreise:

Am Sonntagmittag ging es mit zwei Deutschen Richtung Bangalore, wo noch mein Koffer stand los. Zwei Taxifahrten, einer 16 stündigen Nachtzugfahrt durch den Dschungel, vorbei an riesigen Wasserfällen und Schluchten, mehreren Rikshawfahrten, einer letzten Rasur beim Barbier, zwei Flügen, fünf Stunden Wartezeit in Mumbai, zwei deutschen Zügen und einem finalen Bus nach Benhausen und 58 Stunden später, konnte das Weihnachtsfest beginnen. Schön wieder zu Hause zu sein, auch wenn ich Indien sehr vermissen werde.

November 29, 2008

Bye, bye Bangalore

Mein Koffer ist gepackt und mein Zimmer sieht schon merkwürdig leer aus. Morgen früh um sechs geht mein Flieger nach Dehli. Ich werde für drei Wochen mit Yoann und Jonathan aus Frankreich durch Indien reisen. Von Dehli geht es nach Agra (Taj Mahal) und dann nach Rajasthan und die letzte Woche verbringe ich in Goa. Drei Monate sind vorbei und jetzt heißt es Abschiednehmen. Die meisten Austauschstudenten haben den Campus schon verlassen. Ich habe mich heute ungefähr alle zwei Stunden bei abreisenden Freunden verabschiedet – kein schönes Gefühl. Aber wir planen ein Wiedersehen in Brüssel, Paris oder Europa. Ich hoffe das gelingt.

Was ich nicht vermissen werde:

  • Das Essen in der Mensa
  • Gruppenarbeiten mitten in der Nacht
  • Den Verkehr von Bangalore

Was ich vermissen werde:

  • Viele liebe Menschen aus der ganzen Welt
  • Das Campusleben – man ißt nie alleine, man findet immer jemandem zum ratschen, Sporteln oder fürs Feiern
  • Die Partys

P.s.: Die Attentate in Mumbai beginnen das Leben hier zu beeinflussen. Nach 23 Uhr abends darf man den Campus nicht mehr verlassen und die Sicherheitsleute haben sich teilweise bewaffnet. Auf der großen Bannerghatta Road, die zur IIMB führt wurden heute Sicherheitskontrollen durchgeführt. Pakistanische Freunde von mir nehmen zur Ihrer Abmeldung bei der Polizei indische Studenten mit, damit keine Probleme entstehen – als Pakistani ist es im Moment nicht so lustig in Indien.

November 27, 2008

Terror in Mumbai

Die Nachricht von den schweren Anschlägen in Mumbai mit 100 Toten und zahlreichen Verletzungen ist sicher auch nach Deutschland gedrungen. Hier ist es natürlich das Thema des Tages. Mir ist natürlich nichts passiert und auch keinem meiner Kommilitonen.

Mein persönliches Risiko ist nicht höher, sondern eher geringer als zuvor. In den nächsten Wochen werden die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land verstärkt und die Terroristen werden sich erfahrungsgemäß bedeckt halten. Ich werde mich an die Empfehlung des Auswärtigen Amts halten und Menschenansammlungen meiden.

Ansonsten lasse ich mein Leben nicht von Terroristen beeinflussen. In München fahre ich auch U-Bahn, gehe auf die Wiesn oder auf Fußball-Fanfeste – alles potentielle Gefahrenpunkte.

Es gibt auch noch eine gute Nachricht. Ich habe gestern zugesagt ein Praktikum bei der Metro Group in Düsseldorf zu absolvieren. Ich werde ab Januar 2009 im strategischen Einkauf Westeuropa arbeiten.

November 25, 2008

Merkwürdiges Indien.

Heute war ein ganz normaler, merkwürdiger, indischer Tag. Erst habe ich eine Klausur von neun bis zwölf Uhr geschrieben und es gab heißen Tee von der Uni – das werde ich jetzt auch in Deutschland verlangen! Und dann habe ich um halb neun abends wegen der dämlichen Zeitverschiebung ein Telefoninterview für ein Praktikum im kalten Deutschland gehabt. Ich habe ein merkwürdiges Bild abgegeben: Da in meinem Zimmer kein guter Handyempfang ist, musste ich nach draußen ziehen. Ich habe einen Platz mit Stuhl und Tisch bei meinem Kaffeedealer gefunden. Das Problem war nur dass kein Licht vorhanden war und so habe ich das Interview mit einer geliehenen Stirnlampe geführt. In Indien muss man improvisieren.

Was ist noch merkwürdig in Indien:

  • Kopfschütteln: Wenn Inder etwas bejahen wollen, rollen sie ihren Kopf von rechts nach links und zurück. Dies führte zu anfänglichen Verwirrungen, denn es ist sehr einfach mit dem verneinenden Kopfschütteln zu verwechseln, welches wir kennen. Es ist total frustrierend einem Inder etwas zu erklären, wenn er dann andauernd mit dem “Kopf schüttelt”.
  • Scharfes Essen: Besonders Karnataka, der Staat in dem ich lebe ist berühmt für seine besondere Schärfe. Dies schränkt den Speiseplan einiger Kommilitonen erheblich ein. Für mich ist die Schärfe kein Problem, ich mag es sogar. Schwierig wird es nur, wenn ich nach Deutschland zurück komme. Unscharfes Essen finde ich mittlerweile fad.
  • Gegessen wird mit der rechten Hand: Es ist unanständig die linke Hand zu benutzen, diese ist für andere, hier nicht genannte, Aufgaben zuständig. Am besten, man lässt sie gleich unter den Tisch fallen. Nur gut das meine Omama mich so nicht sehen kann: Die linke Hand auf dem Schoss, die rechte Hand greift ins Essen und schaufelt es in die Essluke. Aber hier ist das gutes Benehmen.
  • Schlange stehen: Ist dem Inder völlig unbekannt. Während der Europäer sich schön hinter dem Vordermann anstellt, geht der Inder einfach vorbei und hat nicht mal ein schlechtes Gewissen. Während der deutsche Tourist seine Liege um fünf Uhr morgens mit einem Handtuch markiert, springt der Inder in den noch fahrenden Bus oder schmeißt ein Taschentuch auf seine bevorzugte Sitzgelegenheit, während er halb im Fenster baumelt.
  • Alkohol und Sex: Beides ist Tabu, beides ist aber in ausreichendem Maße vorhanden. Ersteres kann man an den vielen kleinen Alkoholgeschäften ablesen und letzteres an der rasant wachsenden Bevölkerung. Mir haben Kommilitonen erzählt, dass bei Ihnen zu Hause zwar Alkohol getrunken wird, aber nicht offen. So ziehen sich die Männer bei Treffen für kurze Zeit in einen bestimmten Raum zurück. Jeder weiß was passiert, aber keiner sagt etwas.

November 21, 2008

Schadenfroh!

Einen schönen Gruß in die Heimat. Gerade lese ich von Schnee in Deutschland. Hier bleibt es konstant bei 25 Grad und blauem Himmel. Der längste Sommer meines Lebens dauert noch bis Weihnachten.

November 18, 2008

Das Abenteuer meines Lebens…

…bis jetzt.

Anreise und Vorbereitungen:

Am Abend des 4. Novembers bestiegen neun andere Todesmutige und ich das Flugzeug nach Dehli Richtung Himalaya. Mit dabei waren Claire, Guillaume und Olivier aus Frankreich, Benjamin, Magnus und Markus aus Deutschland, Clemens aus Österreich, Nicolas aus Belgien, Tomasz aus Polen. Die Nacht sollten wir am Flughafen in Dehli verbringen. Da keine Stühle mehr frei waren, versuchten wir auf dem Boden zu schlafen. Die Erzählungen von riesigen Ratten am Flughafen und schwer bewaffneten Soldaten beschränkten meinen Schlaf auf eine Stunde. Um sieben ging es dann endlich los, der Flieger nach Leh in Ladakh stand bereit. Nach kurzer Zeit waren wir über dem Himalaya – einfach Atem beraubend. Die Berge waren ab 6000 m Schnee bedeckt und ich habe schon im Flugzeug die ersten 30 Fotos geschossen. Beim Landeanflug auf Leh kamen wir den Berggipfeln abenteuerlich nah, aber natürlich ging alles gut. Leh liegt auf 3500 Meter und hat 30 000 Einwohner und mindestens ebenso viele Soldaten sind hier stationiert. Leh liegt in Kaschmir; hier haben mit Indien, China und Pakistan drei Atommächte Truppen stehen.

Leider merkte ich schon beim Aussteigen aus dem Flieger, dass mein Körper den plötzlichen Höhenanstieg nicht mochte. Zwei Stunden später verabschiedete ich mich mit starken Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen, Zeichen für eine leichte Höhenkrankheit, ins Bett. An das vorangegangene Frühstück kann ich mich nur sehr schwer erinnern. Mir blieb nichts anderes übrig, als in den ersten zwei Tagen mich kaum zu bewegen und viel zu trinken. Diese Therapie half und so konnte ich mich am dritten Tag auf den Treck begeben. Wir hatten zwei verschiedene Trecks zur Auswahl. Die erste Möglichkeit war ein Treck mit Zelten auf größere Höhen. Ich habe mich nicht für diesen Treck entschieden und als ich hörte, wie die Woche verlaufen ist, war ich nicht all zu traurig. Die Gruppe hatte mit der starken Kälte in den Zelten zu kämpfen, hatte Versorgungsproblem, hatte einen recht heftigen Fall der Höhenkrankheit und zwei Mitglieder sind auf dem höchsten Pass zusammen gebrochen. Doch trotz alledem haben muss es ein wunderschöner Trip gewesen sein und die gemeinsame Grenzerfahrung ist sicher sehr viel wert.

Ich habe mich zusammen mit Benjamin, Guillaume und Magnus für den eher kulturellen Treck entschieden:

1. Tag

Am Morgen wurden wir von unserer Crew abgeholt. Unser Guide Dorgay ist auch Student und mit 22 Jahren jünger als wir alle. Er war ein ruhiger, aber liebenswürdiger junger Mann und wir hatten viel Spaß mit ihm. Dazu kamen ein sehr netter Fahrer, der unseren Versorgungs-Jeep fuhr und ein ausgezeichneter Koch. Was dieser Mann mit dem kleinen Gaskocher gezaubert hat, war unglaublich – und gutes Essen für die Kompanie ist ja bekanntermaßen ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor.

Zunächst fuhren wir drei Stunden mit dem Jeep zu Startpunkt. Sofort viel auf, das kein Berg im Himalaya wie der andere aussieht. Jeder Berg hat eine andere Beschaffenheit und Farbe. Ich habe in den sieben Tagen schwarze, graue, blaue, grüne, gelbe, ocker, rote, violette und türkise Steine gesehen.

Unser erste Wanderung führte uns zum hübschen Kloster Gonpa mit einer riesigen Buddha-Statue. Gerade die erste viertel Stunde war unheimlich anstrengend, obwohl es nur leicht Berg auf ging.

Abends hatten wir dann die Gelegenheit bei einer Wahlparty teilzunehmen. Die Congress-Party, Ghandis Partei, hatte das ganze Dorf in unsere Unterkunft geladen. Und da saßen wir unversehens in mitten von 200, leicht nach Schaf riechenden, Menschen. Alle waren extrem lieb und gastfreundlich zu uns. Von den diversen Reden verstanden wir natürlich nichts, außer Ghandi, electronic maschines und election.

2. Tag

Es stand die erste sportliche Herausforderung an. In knapp fünf Stunden gingen wir zum nächsten Dorf und überquerten einen 3580 Meter hohen Pass. Übernachten sollten wir in einem winzigen Dorf mit fünfzig Einwohner, namens Yangthang. Zum ersten Mal kamen wir mit dem typischen Ladakhi-Lebensstandard in Berührung, der uns die ganze Woche erhalten bleiben sollte. Ich half beim Schafe eintreiben und geschlafen haben wir in einem Bauerhaus. Es gab natürlich kein fließendes Wasser, die Toilette ist einfach ein Loch im Boden, ein Waschbecken gibt es nicht und Heizungen gibt es auch in Leh nicht. Das Leben wird von der Sonne bestimmt. Sobald um sechs Uhr die Sonne untergeht, wird es im November mit minus zehn Grad Celsius empfindlich kalt. Dies war auch der Grund, warum wir in der ganzen Woche nur vier andere Trecker getroffen haben – echter Individual-Tourismus.

An diesem Abend betteten wir uns bereits um sieben Uhr abends unter schwere Yak-Decken (Yaks sind unheimlich praktische Tiere). Auch an den Abenden waren wir spätestens um zehn Uhr im Reich der Träume.

3. Tag

Bereits nach etwas mehr als zwei Stunden hatten wir unseren Treck in das nächste Dorf beendet. Das war natürlich etwas zu wenig für unsere Ansprüche und so suchten wir uns den nächsten Berg zur Besteigung aus. Nach 90 Minuten hartem Aufstieg, auf extrem weichen Untergrund, erreichten wir den Gipfel des 4000ers. So hoch war ich noch nie zuvor gewesen und die Aussicht machte die gesamte Mühe wieder wett.

Wieder unten angekommen, spielten wir mit dem kleinen dreijährigen Jungen unserer Herbergseltern. Spielen heißt hier, dass wir erstaunlich präzise mit Pfeilen beschossen wurden. Doch das Babysitten schien gut anzukommen und so wurden wir in die typischen Ladakhi-Küche auf einen Tee eingeladen. Die Menschen aus Ladakhi haben mit den anderen Indern nur den Pass gemein. Ansonsten sind ihre Riten, ihr Glaube, ihre Sprache, ihre Regeln und auch ihr Aussehen nicht mit dem den Indern zu vergleichen, die ich bis dato kennen gelernt hatte. Die Ladakhis sind peruanischen Bergbewohnern vom Aussehen ähnlicher, als den Menschen aus Dehli. Es gibt auch eine recht starke Seperationsbewegung.

4. Tag

Der November ist der optimale Monat zum Heiraten. Der hektische und kurze Sommer ist vorbei und es ist noch nicht so kalt. Gut, über Letzteres kann man streiten.

Nach einem wunderschönen vier stündigen Treck erreichten wir das Dorf Temesgam und hatten das Glück eine Hochzeit mitzuerleben.

Geheiratet haben eine Frau aus Temesgam und ein Mann aus einem anderen Dorf. Die Feier dauert vier Tage. Zwei Tage im Dorf des umziehenden Partners und zwei Tage im Dorf, in dem das Paar leben wird. “Unser” Paar hatte eigentlich schon vor einigen Jahren geheiratet und zwei Kinder, aber zuvor war für die offizielle Feier kein Geld und keine Zeit gewesen. Für vier Tage jeweils ein ganzes Dorf zu bewirten ist teuer und Zeit aufwendig.

Das Fest begann mit einer Zeremonie mit Lama und Bräutigam vor dem Elternhaus der Braut. Als dieser Part erledigt war, wurden kleine Geldscheine aus dem Haus geworfen. Dies führte zu turbulenten Szenen und eine Mauer brach teilweise zusammen.

Danach gingen alle ins Haus und wir genossen die Gastfreundschaft der Ladakhi. In der Küche der Brautmutter bekamen wir Salttea. Eine verhängnisvolle Entscheidung. Dieses Getränk besteht zu 80 Prozent aus Butter. Die restlichen 20 Prozent sind Milch und Salz. Scheußlich! Butter ist in Ladakhi ein Zeichen für Frieden und so bekam das Brautpaar auch 40 Päckchen Butter geschenkt. Die deutlich bessere Alternative war das selbstgemachte Getreidebier, genannt Chang. Geschmacklich eine Mischung aus Federweißem und Cidre.

Frisch gestärkt ging es dann ins Festzelt. Das ganze Dorf saß zusammen, trank und tanzte. Und wir mitten drin. Ich machte die Bekanntschaft mit einem sehr interessanten Mann. Er war 72 Jahre alt und war fast 40 Jahre in der Regierung von Ladakh gewesen. Nach seiner Pensionierung hatte er mit deutscher Hilfe eine Schule im Ort gegründet, die mittlerweile stark expandiert ist. Wir saßen einige Zeit zusammen und ich erfuhr viel über das Dorf, die Kultur der Region, über Politik und über den Buddhismus. Für ihn war unser Treffen kein Zufall sondern Karma. Er saß an einem Ehrenplatz, der mir normalerweise gar nicht zugestanden wäre. Ich musste nur aufpassen, dass ich von den professionellen Abfüllern, die am Ehrenplatz besonders bemüht waren, nicht zu viel Chang bekam. Selbst bei einem vollen Glas kamen diese netten Herren und forderten einen hartnäckig auf zu trinken, damit sie nachgießen konnten. Diese Hartnäckigkeit führte zu einigen Geh- und Sprachschwierigkeiten der Gäste. Unter uns Europäern gab es aber keine Ausfälle.

Als es dann dunkel wurde löste sich die Hochzeitsgesellschaft auf und wir bekamen von der typischen Ladakhi-Küche zu kosten und erlebten noch einige Tänze im Haus der Brautmutter.

5. Tag

Zunächst ging es auf den 3500 Meter hohen Pass mit dem schönen Namen BongBong La. Und es hätte sich kein Jeck besser ausdenken können, ausgerechnet an diesem Pass schlug es 11.11 Uhr am 11.11. Und unser Benjamin aus Bonn fing an zu singen; irgendwo im nirgendwo in den himalayanischen Bergen: “Die Karawane zieht weiter, der Sultan het Durscht..”.

Nach einem wunderschönen Abstieg erreichten wir den Indus und fanden eine kleine Bucht mit echtem, unberührtem Sandstrand. Ohne drei stinkende Jungs hätte richtig romantische Stimmung aufkommen können.

Von dort wurden wir mit dem Jeep in einer dreistündigen Fahrt in ein Dorf auf die andere Seite des Indus gefahren. Die Straße wurde in fünfjähriger Arbeit gebaut und hatte bei den Bauarbeiten leider einige Menschenleben gekostet. Sie führt vorbei an unglaublich tiefen Schluchten und Steinschlag ist eher die Regel, als die Ausnahme. Noch immer ist die Straße nicht ganz fertig. Erschreckenderweise arbeiten ganze Familien aus Nepal oder dem extrem armen indischen Bundesstaat Bihar auf der Baustelle. Die Kleinkinder verbringen den ganzen Tag auf der Baustelle. Es ist extrem staubig und dauernd donnern LKW vorbei. Ich habe Frauen gesehen, die ihre Neugeborenen auf dem Rücken tragen und mit den Händen riesige Steine schleppen.

In unserem Übernachtungsort wurde wieder gehochzeitet. Doch wir guckten uns nur das örtliche Kloster an und verzichteten auf die Feier. Der Respekt vorm Chang war zu groß und am nächsten Tag sollte der Aufstieg auf 5000 Meter erfolgen.

6. Tag

Der ursprünglich geplante Treck sollte nur über einen 3720 Meter hohen Pass führen. Doch wir planten um und unser Führer war auch begeistert von der Idee. So machten wir uns früh auf, um die 5000 Meter zu knacken. Auf 4000 Meter sahen wir den zweiten Adler dieses Trecks. Ein so wunderschönes, imposantes und großes Tier, welches mühelos durch luftige Höhen schwebt. Während für uns der Aufstieg schwierig wurde. Wir hatten eine sehr steile Route gewählt. Jeder Schritt wurde unglaublich schwer. Das Atmen wurde eine Herausforderung und die Kälte war eine zusätzliche Herausforderung. Zum Teil musste ich alle fünf Meter eine Pause einlegen. Erst jetzt habe ich eine leise Ahnung was es bedeuten muss auf einen 8000er zu steigen.

Nach unglaublichen Anstrengungen erreichten wir den Gipfel. Innerhalb von drei Stunden und 15 Minuten hatten wir uns von 3400 Metern auf mindestens 5000 Meter hochgearbeitet. Der Blick war alle Mühen wert. Es ist unwahrscheinlich, dass wir die ersten auf dem Berg waren, aber viele werden nicht vor uns da gewesen sein. Wir errichteten ein “Denkmal” aus Steinen und Holzstecken und ich opferte meine Basecap.

Die Freude über das Erreichte brach aber erst aus uns heraus, als wir schon eine Stunde auf dem Abstieg war, der uns auch einiges abforderte. Insgesamt gingen wir allein 90 Minuten bergab, erstiegen dann noch einmal einen letzen Pass und stiegen noch einmal eine Stunde in ein Tal hinunter. Nach mehr als sieben Stunden und mindestens 25 Kilometern erreichten wir glücklich und erschöpft den Jeep.

Doch unser Tag sollte nicht vorbei sein. Die Crew wollte mit uns Feiern und so entstand ein fröhlicher und ausgelassener Abend. Wir tanzten mit unseren Leuten und einigen Einheimischen zu lokalen Volksweisen, französischem, deutschen und englischen Liedgut um ein Feuer, welches immer wieder mit Spiritus befeuert wurde. Zum Abschluss bekamen wir Yak zu essen. Dieses Tier schmeckt auch noch.

7. Tag

Den letzten Tag verbrachten wir im Jeep. Wir besichtigen “Hot Springs”, die eher warme Quellen waren. Das Wasser kam aus langweiligen Rohren und baden konnte man auch nicht. Die einzige kleine Enttäuschung unserer Reise. Auf dem Weg zurück nach Leh sahen wir noch zwei wunderschöne Klöster. Die buddhistische Lehre hat sich uns nicht ganz erschlossen. Jedoch waren wir alle fasziniert und ich persönlich kann mit dem Buddhismus deutlich mehr anfangen als mit dem Hinduismus.

Ankunft in Bangalore:

Eine heiße Dusche – welch ein Traum!

November 1, 2008

Eine neue Liebe…

Es ist geschehen, ich habe mich verliebt und ich mache es öffentlich: Tennis. Seit zwei Wochen habe ich angefangen und kann nicht mehr aufhören. Man muss, wenn man einen Ball neben den Court geschossen hat nur aufpassen, dass man nicht von einer Schlange gebissen wird. Was mich auch schon zum Thema diesen Blogeintrags führt:

Tiere auf dem Campus

Schlangen: Ich habe noch keine gesehen, aber im hohen Gras ist immer Vorsicht geboten und im letzten Term musste eine Cobra aus einem meiner Nachbarzimmer entfernt werden.

Ratten: Ganz schön dick. Diese Woche haben wir eine Ratte gesehen, die so dick war, dass einige das Tier für ein Katze hielten.

Streifenhörnchen: Diese süßen, putzigen Tierchen sind ganz schön laut und nervig.

Hunde: Wir haben mindestens fünf auf dem Campus. Einer hat einen Narren an den Exchange Students gefressen. Der folgt uns immer und gibt sogar Pfötchen. Allen Hunden gemein ist, dass sie sofort Reiß aus nehmen, wenn man den Fuß anhebt. Tritte sind hier wohl die übliche Behandlung.

“Badezimmer-Tiere”: Auf der Toilette oder in der Dusche ist man nie allein. Ich habe schon die Gesellschaft von riesigen Hornissen, Gottesanbeterinnen, Fliegen, Kakerlaken, Grashüpfern, einer Menge Mücken, Spinnen, kleinen Echsen, Termiten, enorm viel Ameisen und einigen anderen Tieren genossen.

Termiten: Wir durften einen so genannten “Hochzeitsflug” erleben. Das bedeutet, dass tausende Termiten mit Flügeln ausgestattet sich aus ihrem Bau bewegen und Männlein und Weiblein sich mit Hilfe von Pheromonen finden. Ist die Hochzeit dann vollzogen ist das Lebenswerk der Männchen getan und sie sterben. Was für ein Leben. Am besagten Abend, war der Flur vor meinem Zimmer übersät mit Leichen. Nicht so toll.

Vögel: Viele extrem, laute Krähen und einige nicht näher bestimmbare Raubvögel. Eine weiße Eule saß auch schon mal vor meinem Zimmer.

Affen: Es soll eine Familie auf dem Campus geben. Ich höre sie öfter, habe sie aber noch nie gesehen. Ich bin auch nicht scharf auf einen Besuch, da Affen im Zimmer wohl alles verwüsten und mein Zimmer liegt im Erdgeschoss und ist über einen Baum besonders gut zu erreichen.

…und im Oek-Heim regt man sich schon über possierliche Motten auf. Beste Grüße an dieser Stelle nach München.

P.s.: Die Klickzahlen sind weiter hin erstaunlich hoch, aber ich vermisse Kommentare. Wo bleiben Kritik, Anregung, Liebeserklärungen oder böse Witze. Macht Herrn Gehling glücklich!!

Oktober 27, 2008

Wie Holland, nur mit Palmen.

Nach drei scheinbar unendlichen Wochen ging es letzten Dienstagabend mal wieder auf einen Ausflug. Wir nahmen den Nachtbus nach Kochi in Kerala im Südwesten von Indien. Die zwölf Stunden im Nachtbus waren so gemütlich, dass ich mir das Schlafen fast in der kompletten Nacht gespart habe. Wir waren diesmal zwei Franzose, zwei Polen, ein Däne, ein Österreicher, ein Bayer und vier Deutsche.

Den ersten Tag verbrachten wir beim Sightseeing in Fort Kochi. Hier kann man portugiesische, chinesische and arabische Einflüsse sehen. Ein wirklich süßes kleines Örtchen. Wir sahen eine Ingwer-Fabrik, einen alten aber langweiligen Palast und eine Menge Geschäfte. Meine Kommilitonin Sara aus München hat gefühlt jeden Laden leer gekauft. Man bekommt von den indischen Geschäftleuten immer “ganz” besondere Angebote, weil man wahlweise der erste Kunde ist oder weil man ja nach 30 Sekunden schon so gute Freundschaft geschlossen hat oder auch, weil man ja Student ist. Meinen ersten Ausflug zum Meer habe ich kulinarisch so gut wie möglich ausgenutzt und so sind mir diverse Fische und Riesen-Garnelen zum Opfer gefallen. Dazu gab es dann “Spezial-Tea”: Gut gekühltes Indisches Bier, welches man auf Grund der fehlenden Genehmigung in den Restaurants in Teekannen und Teebechern bekommt (s. Fotos).

Der zweite Tag sollte ein wunderschöner Tag am geheimen Strand von Kochi sein. Leider kam uns der zweite Monsun in die Quere. Wir waren zwar am Strand, aber es hörte nicht auf zu Regnen. Naja, wir haben uns dann halt mit “Tee” getröstet.

Am dritten Tag standen wir ganz früh auf, um den Fischern, diesmal bei strahlendem Sonnenschein zuzugucken. In Kochi wird mit alten chinesischen Netzen vom Land aus gefischt. Diese Art ist wirklich beeindruckend und gibt wunderschöne Fotos. All zu viel haben die Fischer leider nicht gefangen und so waren wir wie so oft der dickste Fang. Die Fischer ließen uns ihre Arbeit tun und kassierten hinterher dafür ab. Das nenne ich die perfekte Geschäftsidee. Danach nahmen wir den Bus weiter in den Süden nach Allepy. Dieser Ort liegt mitten in den Backwaters, einem riesigen Netz von Kanälen und Seen. Für 24 Stunden mieteten wir uns ein 40 Meter langes Hausboot, mit Koch, Kapitän und zwei Crewmitgliedern und eroberten die wunderschöne Landschaft. Diese hat mit Ausnahme der Kanälen natürlich überhaupt nichts mit Holland zu tun hat. Es ging vorbei an kleinen Dörfern, riesigen Reisfeldern und immer wieder wunderschönen Palmenwäldern. Auf dem Weg wurden frische Riesen-Garnelen für den Abend gekauft. Herr Gehling hat es sich auch nicht nehmen lassen zu fischen. Auch wenn ich mit einer sehr improvisierten Angel nur fünf kleine Fische gefangen habe. Es gibt kaum etwas schöneres, als bei Sonnenuntergang auf einem Boot zu sitzen und beim einem kühlen Bierchen und hochtrabenden Gesprächen die Angel zu schwingen.

Am vierten Tag beendeten wir unsere Fahrt und gleich darauf ging es auf ein kleineres Boot. Ja, wir Leben im puren Luxus. Mit dem kleinen Boot konnten wir die kleineren Kanäle erreichen und erlebten das Leben der Dorfbevölkerung. Die Frauen waschen den halben Tag im Kanal. Entweder Wäsche, Fische oder Kinder. Die Männer fischen, fahren Touristen durch die Gegend oder arbeiten auf dem Reisfeld.

Leider mussten wir uns am Nachmittag auch schon wieder auf den Rückweg machen. Aber die Reise in das “Land Gottes” hat sich sehr gelohnt. Wer nur wenig Zeit in Indien hat, sollte wohl nach Kerala fahren, es ist so schön.

Ein paar Worte noch zu meiner allgemeinen Verfassung. Indien fasziniert und fesselt mich weiterhin. Das Leben am Campus ist zur angenehmen Routine geworden. Im Moment bin ich dabei ein Praktikum für die Monate nach Indien zu suchen und verschiedene Präsentationen zu erstellen und zu präsentierten. Seit drei Wochen kann ich keinen Reis mehr sehen, der Hauptbestandteil des Mensaessens ist. Aber es gibt entweder die Möglichkeit indisches Essen mit Brot auswärts zu genießen oder amerikanische oder kontinentale Küche zu konsumieren. Montezuma konzentriert sich mehr auf meine Kommilitonen, nur heute war ich öfter zum Insektenzählen auf dem stillen Örtchen, als mir eigentlich lieb ist. Erschreckenderweise geht das Semester so langsam dem Ende zu. Nächsten Dienstag fliege ich in den Himalya für 12 Tage, danach habe ich nur noch zwei Wochen an der Uni.